Fernschule für Tontechnik & Musikproduktion

Deine Musik auf Spotify & Co.! – Digitale Vertriebswege

In deine Songs sind viele Stunden harter Arbeit geflossen. Komponieren, Arrangieren, Aufnehmen, Produzieren, Mischen und Mastern – all das ist mit viel Freude, aber auch mit viel Arbeit verbunden. Früher oder später stellt sich unweigerlich die Frage: Wie bringe ich meine Musik unter Leute?

Während bis vor wenigen Jahren die Musikbranche stark von Gatekeepern wie Majorlabels, Radio- und TV-Sendern und großen Verlagshäusern kontrolliert wurde und man ohne kostspieliges Produktmanagement und umfangreiche Vertriebsstrukturen keine Musik in die Öffentlichkeit tragen konnte, hat sich der Musikmarkt mittlerweile stark gewandelt und ermöglicht Künstler*innen direktere Möglichkeiten, mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten. Einerseits ist das für die Kulturlandschaft eine großartige Nachricht, weil damit nun auch Nischenprodukte eine Chance haben, Künstler*innen ein selbstbestimmteres Marketing ermöglicht wird und eine intimere Beziehung zwischen Fans und Musiker*innen entstehen kann. Auf der anderen Seite sind Künstler*innen, die im 21. Jahrhundert Musik verbreiten wollen aber auch einer deutlich größeren Konkurrenz ausgesetzt und die Branchenumsätze sind im Streaming-Zeitalter im Vergleich zu CD-Zeiten merklich zurückgegangen. Außerdem wird von Künstler*innen heutzutage erwartet, dass sie sich eigenständig mit der Vermarktung ihrer Produkte auseinandersetzen – Arbeiten, die früher von Mitarbeitern in Platten- und Vertriebsfirmen übernommen wurden und die vielen Kreativen nicht unbedingt leicht fallen. Neben rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Themen gehört dazu auch das Wissen über digitale Vertriebsmöglichkeiten.

Schauen wir uns mal die üblichen Modelle an, wie du deine Musik im Streaming-Zeitalter an deine Fans bringen kannst:

Der klassische Weg

Auch, wenn die Arbeit von Musiklabels einem ständigen Wandel unterliegt, hat sich doch die Kerntätigkeit von Plattenfirmen nicht wirklich verändert. Sie entdecken, entwickeln und betreuen vielversprechende Künstler*innen, helfen mit Vorschüssen und Produktionsbudgets bei der Finanzierung, koordinieren Release-Pläne, kümmern sich um Promotion und Vertrieb und können mit ihrer Erfahrung und ihrem Netzwerk bei vielen Belangen im Musikgeschäft aushelfen. Sie agieren damit als wichtiger Partner und Berater, aber auch als Bank. Auch wenn ein Vertrag mit einem Label nicht unbedingt notwendig ist, um Musik zu produzieren und zu vertreiben, kann für dich als Artist die Zusammenarbeit mit einem Label also nach wie vor spannend sein.

Dann muss ich mich also gar nicht mit Marketing und Co. befassen, sondern kann das einfach dem Label überlassen? Fast! In der Theorie stimmt das zwar, in der Praxis wird man mit dieser Auffassung aber nicht besonders weit kommen. Das Problem ist, dass Plattenfirmen (genau wie Künstlermanager*innen, Verlage usw.) im unsicheren Musikgeschäft nicht einfach „auf gut Glück“ Künstlerexklusivverträge und Vorschüsse verschenken, sondern eine professionelle Vorarbeit und eine Fanbase erwarten. Das heißt: Wer einen (attraktiven) Labelvertrag möchte, muss zuerst selbst tätig werden und seine Marke aufbauen, bevor etwaige Vertragspartner Interesse entwickeln.

Ohne Label veröffentlichen

Wer seine Musik auf den bekannten Streamingplattformen vertreiben möchte und nicht mit einem Label zusammenarbeitet, kommt nicht an einem Digitaldistributor vorbei. Die Verträge sind meist jederzeit kündbar. Streaming-Einkünfte werden in regelmäßigen Abständen (ggf. unter Abzug) ausgeschüttet.

Die meisten Digitaldistributoren verwenden eines der folgenden Zahlungsmodelle:

  1. Festpreis pro Release: Ein einmaliger Preis pro Veröffentlichung. Das Release bleibt online.
  2. Jährliche Gebühr pro Release: Für jede Veröffentlichung wird eine jährliche Zahlung fällig. Wird diese nicht bezahlt, wird das Release offline geschaltet.
  3. Flatrate: Ein fester Jahresbeitrag ermöglicht den Upload beliebig vieler Veröffentlichungen. Wird dieser nicht bezahlt, werden alle Releases offline geschaltet.

Alternativen?

Nicht jeder Weg zum Hörer führt über Marktriesen wie Spotify und Co.! Oft werden direktere Vertriebswege vergessen, die sich oft weniger durch hohe Verkaufszahlen, als durch Selbstbestimmtheit und höhere Margen auszeichnen. Ein beliebter Anbieter in diesem Sektor wäre zum Beispiel Bandcamp. Diese Plattform ermöglicht Musikschaffenden einen sehr selbstbestimmten Vertriebsweg. Viele Musiker*innen nutzen auch Crowdfunding- oder Social-Payment-Plattformen, wie Patreon oder Kickstarter zur Finanzierung ihrer Projekte. Ein selbstverwalteter Webshop auf der eigenen Homepage kann ebenfalls in Betracht gezogen werden und durch den Selbstvertrieb ohne „Mittelsmann“ attraktive Gewinnmargen ermöglichen. Auch der Video-Riese YouTube ist nicht nur für die Verbreitung von Musik-Inhalten von enormer Bedeutung, sondern bietet darüber hinaus auch Möglichkeiten, über Werbeschaltung Geld zu verdienen. Darüber hinaus kann es für Urheber*innen sehr lukrativ sein, die eigene Musik bei Content Creators aller Art unterzubringen – zum Beispiel über Plattformen wie Audiojungle. Es muss ja nicht gleich der Sync-Deal mit Hollywood oder Netflix sein, denn wer seine Musik in Content ID listen lässt und GEMA-Mitglied ist, kann auch durch die Summe vieler kleiner Verwender nicht unbeachtliche Ausschüttungen ansammeln.

Du möchtest mehr über die Zusammenhänge, Verträge und Co. im Musikgeschäft erfahren? Dann ist unser Themen-Kurs Musikbusiness genau das Richtige für dich!

Autor

Christoph Thiers
Christoph Thiers
Christoph Thiers ist seit über 10 Jahren in der Musikbranche tätig und hat hunderte Produktionen verschiedenster Genres als Recording, Mixing und Mastering Engineer begleitet. Zu seiner breit gefächerten Vita zählen Künstler wie Die Fantastischen Vier, Sarah Connor, Birdy, Nathan Evans, RAF Camora und Boris Brejcha, sowie zahlreiche Auszeichnungen und Chartplatzierungen. Neben Musikproduktion und Studio Management beschäftigt er sich u.a. mit neuen Medienformaten und Artist Development, berät Indie Labels, Künstler und Startups und war an mehreren Software Entwicklungen für die professionelle Musikproduktion beteiligt. In den letzten Jahren hat sich Christoph verstärkt auf immersive Musikproduktion spezialisiert und betreut u.a. Dolby Atmos Mixes für internationale Labelkunden und namhafte Indie Artists.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mach mit beim 14. HOFA XMAS MIX CONTEST

Endlich ist es wieder soweit! Für viele gehört er inzwischen zur Weihnachtszeit wie Schnee und Tannenbaum – der XMAS MIX CONTEST von HOFA. Zum mittlerweile 14. Mal in Folge veranstalten wir für alle, die Lust auf besinnliche Stunden beim Mixdown haben, diesen Mixing und Remixing Contest.

Weiterlesen »