Fernschule für Tontechnik & Musikproduktion

Wie bekomme ich Vocals klar und präsent im Mix?

Die Stimme ist wohl das wichtigste Element in der Musikproduktion. Dementsprechend liegt beim Mixing auch der Fokus darauf, die Vocals präsent und durchsetzungsfähig im Vordergrund der Mischung zu platzieren. Doch wie stellt man das an und welche Schritte und Eingriffe sind notwendig, damit sich die Vocals gegen das Instrumental im Mix behaupten können?

Dazu möchten wir ein paar Anregungen präsentieren, damit dein nächster Vocal-Mix im Handumdrehen gelingt. Wenn dich dieses Thema und auch das Mischen anderer Elemente faszinieren und du deine eigenen Produktionen auf das nächste Level bringen möchtest, dann schau dir gerne die Tontechnik-Fernkurse von HOFA-College an.

Welche Wege nicht unbedingt zum Ziel führen

Die Frage, mit der wir uns hier beschäftigen, ist nicht neu und beschäftigt Tontechnikerinnen und Tontechniker schon so lange, wie es Musikaufnahmen gibt. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich eine Vielzahl von Ansätzen und Philosophien herausgebildet haben, die mal mehr, mal weniger gut funktionieren. Genau hier möchten wir direkt einhaken und klarstellen: ES GIBT KEINE UNIVERSALLÖSUNG. Es gibt unzählige Videos und Beiträge, welche ein bestimmtes Plugin oder eine Signalkette als Allheilmittel anpreisen, wobei in der Regel außer Acht gelassen wird, dass die Bearbeitungen und verwendeten Tools möglicherweise nur für dieses konkrete Beispiel funktionieren und der Audio Engineer im Video diesen Workflow vielleicht jahrelang für sich herausgearbeitet hat.

Hier solltest du also nicht einfach die Plugins oder Parameter aus solchen Videos übernehmen, sondern erst einmal einen Schritt zurückmachen und dich fragen, zu welchem Zweck die Bearbeitungen vorgenommen wurden. Dann wirst du auch feststellen, dass es nicht das Plugin an sich ist, welches für den Sound verantwortlich ist, sondern der Umgang damit. Dieser Umgang lässt sich dann oftmals auch auf andere Plugins übertragen, welche eventuell besser zu deinem Workflow passen.

Auch die jeweiligen Parameter der Tools sind nicht universell anwendbar. Gerade Presets laden dazu ein, diese ohne Bedacht wiederzuverwenden, obwohl der Kontext ein anderes Vorgehen verlangt. Es gilt also, Probleme im Mix jedes Mal aufs Neue zu identifizieren und dementsprechend zu reagieren. Presets können zur Orientierung dienen, einfach kopieren solltest du diese allerdings nicht.

Nachdem wir das geklärt haben, schauen wir uns doch mal genauer an, welche tontechnischen Schritte nötig sind, um die Vocals präsent im Mix zu platzieren.

1. Die essenzielle Bedeutung des Levelings

Jede gute Mischung basiert auf klaren und stringenten Lautstärkeverhältnissen. Erst, wenn durch gezielte Pegelanpassungen eine schlüssige Hierarchie zwischen den verschiedenen Elementen hergestellt wurde, können die weiterhin nötigen Bearbeitungen effizient und zielführend zur Anwendung gebracht werden. Stelle also im ersten Schritt eine sinnvolle Lautstärke für die Vocals ein, anhand derer dann Entscheidungen bezüglich der Platzierung der rhythmischen und harmonischen Elemente getroffen werden können. Wenn mehrere Vocalspuren vorliegen, muss auch hier eine klare Hierarchie festgelegt werden, wobei auch die Funktion der jeweiligen Vocalspuren eine wichtige Rolle spielt. Je nachdem, ob es sich dabei um eine Zweitstimme oder eine Dopplung handelt, muss entschieden werden, wie laut diese ergänzenden Spuren im Vergleich zur Hauptstimme sein sollen. Klar ist aber auch, dass Letztere jederzeit mit dem höchsten Pegel ganz vorne im Mix platziert werden sollte.

Um dir die folgenden Schritte besser zu veranschaulichen, haben wir entsprechende Audio-Beispiele für dich vorbereitet. Als Vocal-Spur hörst du ein Cover des Pink-Songs „Who Knew“, gesungen von Jennifer Braun und aufgenommen mit einem Brauner VM1 in den HOFA-Studios. Diese Spuren sind als Mixing-Übung auch Teil der HOFA-College Fernkurse für Tontechnik & Musikproduktion.

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2. Werkzeuge im Vocal Mix

Wenn die Lautstärkeverhältnisse im Roughmix stehen, können die Vocals mit diversen tontechnischen Werkzeugen weiter geformt werden, sodass sie den musikalischen Anforderungen und Hörgewohnheiten entsprechen und ihre führende Funktion in der Mischung adäquat erfüllen können.

Um den Stimmklang beziehungsweise den Frequenzgang der Stimme zu formen, wird ein Equalizer eingesetzt. Verschiedene Filtertypen werden verwendet, um mögliche Überbetonungen bestimmter Frequenzen abzusenken oder schwach ausgeprägte Frequenzbereiche (in der Regel breitbandig) anzuheben. Vor allem die hohen Frequenzen werden hier oftmals spürbar angehoben, da sich die Vocals mit einem etwas helleren Klang auch bei geringerem Pegel ausreichend im Vordergrund etablieren können.

Hören wir uns das im Audio-Beispiel an:

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Eine solche Höhenanhebung birgt aber auch Gefahren, da in den hohen Frequenzen auch die Sibilanten liegen. Diese können sowohl durch Kompression als auch EQing zusätzlich in den Vordergrund gerückt werden, was schnell scharf und technisch klingt. Da dieses Problem nur temporär auftritt, wird auch hierfür ein dynamisches Tool eingesetzt. Ein De-Esser ist hierfür das richtige Werkzeug und senkt die hohen Frequenzen dynamisch ab, um die S-Laute unter Kontrolle zu halten.

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Ein wichtiger Faktor ist auch die natürliche Dynamik der Stimme, die es in den Griff zu kriegen gilt. Grundlegend bedeutet dies, den Abstand zwischen den lauten und leisen Passagen der Vocals aneinander anzugleichen, sodass beim Hören keine Lautstärkeschwankungen innerhalb der Vocals entstehen, durch welche diese entweder in den Hintergrund rücken oder zu stark aus dem Mix herausspringen. Hier kommt der Kompressor ins Spiel, welcher die lauten Signalanteile reduziert und so die Differenz zwischen laut und leise verringert. Ziel ist es, einen Mittelweg zwischen einem konstanten und natürlichen Stimmklang zu finden, da zu starke Kompression auch Nebengeräusche wie Atmer oder Schmatzer in den Fokus rücken kann. Wenn du dich beim Thema Kompression noch schwer tust, dann schau dir diesen Blogbeitrag an.

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Ein weiteres Werkzeug, welches oftmals gewinnbringend im Vocalmix verwendet wird, mit dem man es aber nicht übertreiben sollte, ist Sättigung. Durch das Erzeugen von Obertönen lassen sich einerseits der Frequenzgang formen und andererseits die Dynamik anpassen, was sich klanglich anders auf die Vocals auswirkt als die Verwendung eines Equalizers oder Kompressors und somit eine sinnvolle Ergänzung darstellt. Dieser Effekt ist vor allem dann effektiv, wenn er subtil eingesetzt wird, da zu starke Sättigung auch zu einem verzerrten und technischen Stimmklang führen kann.

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3. Die räumliche Einbindung der Vocals im Mix

Der Mensch ist daran gewöhnt, Geräusche im räumlichen Kontext zu hören. In der Tontechnik sind wir aber oft darauf bedacht, Vocals möglichst frei von Raumreflexionen aufzunehmen, um bei der Nachbearbeitung nicht mit Einschränkungen oder Nebenwirkungen kämpfen zu müssen. Die Räumlichkeit wird im Mix dann beispielsweise durch Hall (engl. Reverb) oder Delay hinzugefügt. In der Regel geht es hierbei weniger um einen hörbaren und mehr um einen wahrnehmbaren Effekt, welcher der Stimme etwas mehr natürliche Dreidimensionalität verleiht, ohne dass die räumliche Tiefe zu auffällig erscheint und die Stimme so indirekt und unverständlich wirken lässt. Während beim Hall längere Nachhallzeiten als natürlicher wahrgenommen werden, gibt es beim Delay-Einsatz diverse Ansätze, wobei auch hier Stereo- oder Ping-Pong-Delays bevorzugt eingesetzt werden, um auch in der Breite des Stereopanoramas zu wirken und je nach Länge der Delay-Zeit auch eine rhythmische Komponente beizusteuern.

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Fazit

Halten wir fest: Es gibt keinen wirklichen Shortcut für einen guten Vocal-Mix, aber mit etwas Detailversessenheit beim Leveling und den grundlegenden tontechnischen Werkzeugen bist du bereits bestens ausgestattet, um die Vocals zielsicher mit der nötigen Präsenz im Vordergrund der Mischung platzieren zu können. Es gibt durchaus Anwendungsfälle, in denen komplexere Mixing-Techniken wie Multiband-Kompression, Sidechaining usw. notwendig sind. Wenn du dein tontechnisches Wissen dahingehend erweitern möchtest, findest du in den HOFA Tontechnik-Fernkursen Antworten, Anwendungsbeispiele und professionelle Studioproduktionen, anhand derer du deine Fähigkeiten beim Vocalmixing steigern kannst. Gerade der Online-Kurs HOFA AUDIO DIPLOMA bereitet dich auf alle Aufgaben bei der Musikproduktion bestens vor.

Autor

Bild von Steffen Walter
Steffen Walter
Steffen hat als Front of House-Engineer und auch im Studio zahlreiche Produktionen erfolgreich begleitet. Als Stamm-FOH der Band LIFESPARK tourte er gemeinsam mit OUR LAST NIGHT und NORMANDIE auf der "You're up" Tour quer durch Europa. Weiterhin spielte Steffen als Mastermind der Band Slaughterra zahlreiche Konzerte und Festivals zusammen mit Bands wie Powerwolf, Emil Bulls, Unearth und Sonic Syndicate. Durch diese Praxiserfahrungen sowie ein vorausgegangenes Lehramtstudium bringt er vielseitige Kenntnisse mit, auf welche er bei der Kursentwicklung, Workshops und der Erstellung von Mixanalysen bei HOFA-College zurückgreifen kann.

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