Musikvideos bringen dir Reichweite auf Plattformen wie YouTube oder Instagram und sind eine schöne Möglichkeit, dich oder deine Band der Öffentlichkeit zu präsentieren. Was du wissen musst, um mit einfachen Mitteln ein eigenes Musikvideo zu erstellen, erfährst du in diesem Beitrag. Dabei gehen wir die drei Schritte der Videoproduktion nacheinander durch: Vorbereitung, Dreh und Post-Production.
Vorbereitung
Plattformen
Für YouTube benötigst du ein Video im Querformat, normalerweise im Seitenverhältnis 16 zu 9, obwohl auch andere Formate möglich sind. Soziale Netzwerke wie Instagram oder TikTok, aber auch YouTube Shorts brauchen Hochkant-Inhalte im Format 9 zu 16. Und es gibt noch weitere wichtige Unterschiede:
| YouTube | Social Media & YouTube Shorts | |
|---|---|---|
| Format | Querformat (16:9) | Hochformat (9:16) |
| Auflösung | Full HD oder 4K | 1080 px breit, 1920 px hoch |
| Länge | Ganzes Musikvideo | Ausschnitte (z. B. Refrain) – 30 bis 60 s (empfohlen) |
| Uploads | Ein Upload pro Song | Mehrere Varianten/Uploads pro Song |
| Qualität | Ausproduziertes Video | Wenig Schnitte, authentischer Content |
Es ist durchaus möglich, bei einem Dreh Inhalte sowohl für YouTube als auch für Social Media zu produzieren. Idealerweise planst du beim Dreh ein, dass einzelne Szenen auch hochkant gefilmt werden, und positionierst die Kamera entsprechend. Alternativ kannst du auch deine Querformat-Szenen für soziale Netzwerke zuschneiden – das ist aber unter Umständen mit Qualitätseinbußen verbunden.
Konzept
Ein gut ausgearbeitetes Konzept hilft dir, beim Dreh ein klares Ziel vor Augen zu haben.
Nach einem ersten Brainstorming suchst du dir am besten Referenzen, sammelst Ideen und erarbeitest daraus dein Konzept für das Musikvideo. Für den Beginn ist es am einfachsten, wenn du die beteiligten Musiker:innen zeigst, wie sie den Song performen – zum Beispiel im Proberaum, in einer spannenden Location oder auf einer Bühne. Diese Aufnahmen alleine können schon ein rundes und vollumfängliches Musikvideo ergeben – und sind auch eine gute Grundlage für ein umfangreicheres Video, bei dem du beispielsweise weitere Szenen hinzufügst, die eine Geschichte erzählen. Mit umfangreicher Geschichte und vielen beteiligten Personen/Schauspieler:innen steigt natürlich auch die Komplexität des Drehs – konzentriere dich daher für den Anfang am besten auf reine Performance-Szenen.
Hier ein Beispiel von Joe Bonamassa für ein authentisches Musikvideo in einer Studio-Umgebung:
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Mehr InformationenFür die Band apropos haben wir in den HOFA-Studios Musikvideos produziert und dafür den großen Aufnahmeraum der HOFA-Studios als „Bühne“ genutzt. In diesem Setup konnten neun Musikvideos an einem Tag aufgenommen werden.
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Mehr InformationenEquipment: Kamera, Licht und Stabilisierung
Bei der Wahl der richtigen Kamera hast du verschiedene Möglichkeiten. Natürlich ist ein aktuelles Smartphone immer eine gute Option – allerdings auch eine trügerische Empfehlung, da ein Smartphone mit guter Kamera zwischen 500 € und 1.000 € kosten kann. Wenn dir kein entsprechendes Smartphone zur Verfügung steht, kannst du für unter 1.000 € geeignete Technik kaufen, oder sie dir für einen wesentlich geringeren Preis für einen Dreh mieten.
Hier ein paar Empfehlungen:
- iPhone (ab iPhone 15 Pro)
- DJI Osmo Pocket
- Blackmagic Pocket
- Systemkameras (z. B. Sony Alpha-Serie, Canon R-Serie, Panasonic Lumix)
Beachte, dass du bei Film- und Systemkameras (wie der Blackmagic Pocket oder den Systemkameras) noch zusätzliche Objektive benötigst, was die Kosten schnell deutlich erhöhen kann.
Schaue dir nachfolgende Szenen an und vergleiche die verschiedenen Kameras miteinander – du wirst sehen, alle gezeigten Systeme eignen sich für das Drehen von Musikvideos, haben aber ihre unterschiedlichen Qualitäten:
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Mehr InformationenMindestens genauso wichtig wie die Kamera ist das Licht. Schon einfache LED-Panels verbessern die Professionalität des Ergebnisses enorm. Für den Anfang kommst du mit sogenannten Flächenleuchten sehr weit. Diese sorgen für eine gleichmäßige Beleuchtung und weiche Schatten. Mit Spotlights, auch Punktlichter genannt, kannst du mehr künstlerische Akzente setzen.

Flächenleuchte (links) vs. Punktlicht (rechts) – achte auf den Schatten hinter dem Ball.
Ein Stativ oder Gimbal für deine Kamera sorgt für die nötige Stabilisierung. Stative sind günstiger und leichter zu handhaben, ermöglichen aber lediglich feste Aufnahmen oder Schwenks. Gimbals hingegen sorgen für eine ruckelfreie Bewegung und bieten dir so mehr Flexibilität.
Nimm auch genug Zubehör wie Speicherkarten und Wechselakkus mit auf den Dreh. Nichts ist ärgerlicher, als den Dreh wegen einer vollen oder defekten Karte oder eines leeren Akkus abbrechen zu müssen.
Für einen anspruchsvolleren Look kannst du beispielsweise auch mit einer Nebelmaschine arbeiten oder sogenannte „Practical Lights“ wie Light-Tubes oder andere Lampen im Set verbauen.

Practical Lights im Einsatz bei unseren Filmsets. Oben subtil mit einer Lampe im Hintergrund (und Nebel), unten prägnanter.
Equipment kaufen oder mieten?
Die Frage, ob du Equipment besser kaufst oder mietest, hängt davon ab, wie häufig du das Equipment einsetzt. Ganz grob kannst du davon ausgehen, dass ein Mietanbieter etwa 2 bis 4 % des Kaufpreises pro Tag an Miete verlangen wird. Somit würde es sich erst nach etwa 10 bis 15 Drehs à 3 Drehtagen lohnen, Equipment (neu) zu kaufen – kaufst du gebraucht, sieht die Rechnung natürlich anders aus. In der Praxis kommen oft beide Varianten zum Einsatz. Wenn ein gekauftes Basic-Setup vorhanden ist, kannst du dir Equipment, welches du speziell für einen Dreh brauchst, dazumieten – beispielsweise eine zweite Kamera, zusätzliche Lichter …
Für den Anfang, und um Equipment vor einem Kauf zu testen, kann auch eine komplett gemietete Ausstattung sinnvoll sein. Schon ab etwa 100 bis 150 € pro Drehtag bekommst du eine sehr hochwertige Ausstattung aus Kamera, Objektiv, Stativ, Gimbal und Licht.
Wenn Konzept und Equipment stehen, kann der eigentliche Dreh starten! Damit geht es im nächsten Abschnitt weiter.
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Mehr InformationenDreh
Ablauf
Bei den meisten Musikvideos wird nicht live gesungen oder gespielt, sondern zur fertigen Aufnahme des Songs performt – also Playback. Der große Vorteil: Du kannst dich am Set voll auf die visuelle Performance konzentrieren, das Video-Set ohne Rücksicht auf klangliche Qualität oder tontechnischen Realismus aufbauen und das Musikvideo in mehreren Versuchen synchron zum Playback produzieren, bis der beste Take im Kasten ist.
Der grundsätzliche Ablauf ist: Der Song wird laut abgespielt, die Musiker:innen performen synchron dazu und du nimmst mit einer oder mehreren Kameras Bild und Ton auf. Den Ton verwendest du natürlich nicht im fertigen Video, du brauchst ihn aber, um die Aufnahmen mit dem Playback zu synchronisieren.

Beginne beim Dreh immer mit einer Aufnahme, in der Raum und Band komplett zu sehen sind (die sogenannte Totale). Achte darauf, dass hier alle beteiligten Musiker:innen gut in Szene gesetzt sind. Filme diesen Durchlauf vom Stativ, bewege die Kamera nicht und mache mindestens zwei komplette Song-Durchläufe. Das ist deine Safety-Aufnahme, die du im Schnitt immer nutzen kannst, daher solltest du jede Sekunde des Musikvideos auf diese Weise aufgezeichnet haben.
Danach kannst du weitere komplette Song-Durchläufe mit unterschiedlichen Kamera-Positionen und Einstellungen machen.
Achte außerdem darauf, dass du die richtigen Instrumente bei den wichtigen Momenten im Song gut in Szene setzt, und filme diese Szenen gegebenenfalls nochmal separat, damit du sie optimal auf Kamera hast. Wichtige Stellen sind:
- Einsätze von Sängerin/Sänger
- Soli
- Drum-Breaks
- Einsätze von Instrumenten
- Prägnante/anspruchsvolle Passagen
- Intro & Outro
Eine Abwechslung bei den sogenannten Einstellungsgrößen hält das Video spannend und erleichtert dir den Schnitt. Zu den wichtigsten Einstellungsgrößen gehören:
- Totale: Zeigt die gesamte Location und Band im Kontext und gibt dem Zuschauenden ein Gefühl für Raum und Personen
- Halbtotale: Fokussiert einen Teil der Band als Gruppe, ideal für Performance-Szenen und Interaktion
- Nahaufnahmen und Details: Gesichter, Spielweise und Emotionen

Professionelle Aufnahmen zeichnen sich außerdem durch eine gelungene Motiv-Platzierung aus. Viele Kameras haben dafür ein sogenanntes Drittel-Raster mit Hilfslinien, welches du aktivieren kannst. Personen platzierst du zentral oder je nach Blickrichtung auf eine der beiden vertikalen Linien. Augen sollten sich in der Regel auf oder nahe der ersten horizontalen Linie von oben befinden. Mit zunehmender Erfahrung kannst du natürlich auch kreativ von diesen Regeln abweichen.

Jetzt hast du hoffentlich alle Einstellungen im Kasten und kannst dich mit deinem Footage an die Erstellung des fertigen Videos machen – weiter geht’s in der Post-Production!
Post-Production
Software
Es gibt viele professionelle Schnittprogramme auf dem Markt. Apple-Nutzer greifen gerne zu Final Cut Pro und auch Adobe Premiere Pro ist sehr verbreitet. Eine geeignete und umfangreiche Gratis-Version bietet derzeit allerdings nur DaVinci Resolve, mittlerweile eines der beliebtesten Schnittprogramme. Jedes dieser drei Programme eignet sich natürlich auch zum Schneiden und Bearbeiten von Musikvideos.
Synchronisation
Vor dem Schnitt sichtest du zunächst dein Footage und wählst die gelungenen Takes aus. Diese synchronisierst du dann in deiner Video-Timeline mit dem Audio-File deines Songs. Dafür bieten Schnittprogramme oft automatische Lösungen, die das aufgenommene Playback (also den Kamera-Ton) und das eigentliche Audio-File analysieren und übereinanderlegen.
Klappt das nicht, kannst du diesen Schritt auch manuell machen, also beide Waveforms übereinanderlegen und anhand des Aussehens der Waveform synchronisieren. Dafür bieten sich prägnante Stellen wie laute Einsätze oder Drum-Schläge an. Achte sehr auf eine fehlerfreie Synchronisation und behalte diese während des gesamten Schnitts bei, da ein synchrones Bild für ein professionelles Musikvideo unerlässlich ist.

Synchrone Spuren in Resolve (blau: Videospuren, grün: Ton vom Set, violett: Audio-Master)
Schnitt
Anders als bei klassischen Filmen orientiert sich das Timing beim Schnitt nicht an Dialogen oder Handlung, sondern am Rhythmus des Songs selbst. Schnitte, die exakt auf Beats, Snare-Hits oder markante musikalische Akzente fallen, erzeugen ein als „stimmig“ wahrgenommenes Seherlebnis. In ruhigeren Songpassagen dürfen Einstellungen länger stehen bleiben, während energiegeladene Refrains von schnelleren Schnittfolgen profitieren. Dieses bewusste Spiel mit Tempo und Timing sorgt für ein Video, das sich wirklich mit der Musik verbunden anfühlt. Wechsle beim Schnitt auch verschiedene Einstellungen wie Totale, Nahe und Detail sowie verschiedene Perspektiven ab.
Achte bei diesem Video mal auf die verschiedenen Einstellungen und die Abwechslung im Schnitt:
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Mehr InformationenWenn du Effekte wie Blenden, auffällige Übergänge oder Farb-/Animationseffekte nutzt, vermeide es, mehrere aufwendige Effekte gleichzeitig einzusetzen oder sie durchgehend über das gesamte Video zu ziehen. Oft wirkt hier weniger mehr. Konzentriere dich lieber zunächst auf einen synchronen, musikalischen und abwechslungsreichen Schnitt.
Hast du das Video komplett fertiggestellt und bist mit Schnitt, Synchronität, Farbbearbeitung und Effekten zufrieden, kannst du es für die Zielplattform exportieren. An dieser Stelle solltest du noch etwas Zeit einplanen, um das Video an Bandkollegen, Freunde und Familie zu schicken – schlafe eine Nacht über das Ergebnis und hole dir Feedback ein. Oft hat man dann am Tag darauf noch ein paar Ideen, die das Video weiter verbessern.
Mehr über Musikvideo-Produktion lernen
Jetzt kennst du den Ablauf einer Musikvideo-Produktion und hast hoffentlich viele Tipps und Anregungen bekommen, um erste eigene Video-Projekte zu starten.
Am HOFA-College gibt es übrigens auch einen kompletten Fernkurs über Musikvideo-Produktion.
Dieser behandelt alle wichtigen Grundlagen – von der Auswahl des Equipments und der Konzeption eines Musikvideos über die Dreharbeiten bis zum fertigen Schnitt. Am Ende des Kurses kannst du uns dein eigenes Musikvideo zur Analyse einreichen oder von uns gedrehtes Footage schneiden.
Dieser Kurs ist auch im ultimativen Tontechnik-Fernkurs HOFA AUDIO DIPLOMA vollständig enthalten.


