In der Musikproduktion werden Genres immer häufiger miteinander kombiniert. In diesem HOFA-College-Tutorial verbinden die beiden Produzenten Hilton Theissen (Metal) und Paul Ullrich (EDM) einen Trapbeat mit einem New-Metal-Refrain und führen dich Schritt für Schritt durch den Prozess, wie aus zwei völlig unterschiedlichen Genres ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Und für dich gibt es dabei viel für deine eigenen Produktionen zu lernen.
Die Ausgangssituation: Zwei DAWs, zwei Genres
Die Idee: Für die Strophe gibt es einen Trapbeat, für den Refrain einen New-Metal-Part. Gearbeitet wurde dabei in zwei unterschiedlichen DAWs – der Trapbeat entstand in Ableton, zusammengeführt wird der fertige Song dann in Cubase.
Der Trapbeat: Aufbau und Sounddesign
Die wichtigsten Bausteine des Trapbeats im Überblick:
- Kick: Kommt direkt aus Ableton und wird mit Clipping, Limiting und Reverb bearbeitet.
- Snares: Ursprünglich drei verschiedene Snares, die zu einer Gruppe zusammengefasst und ebenfalls mit Reverb versehen wurden. Dazu kommen dezente Hintergrundeffekte, die beim ersten Hören kaum bewusst wahrgenommen werden, die dem Sound aber zusätzlichen Charakter verleihen.
- Perc-Loop: Ein von Splice stammender Loop, der stark verfremdet wurde – unter anderem mit Frequency Shifting und Distortion. Aus diesem Loop wird der Groove als MIDI-Daten extrahiert und auf die Synths übertragen, sodass diese keine geraden Achtelnoten spielen, sondern dem Bounce des Perc-Loops folgen.
- Synths: Ein „Call-and-Response“ zwischen einem Synth und einem stark bearbeiteten, 303-artigen Klang bildet den Hauptfokus des Beats. Darunter liegen Basslayer und Subbass für das nötige Fundament.
- Zusätzliche Einwürfe: Mehrere weitere, teils stark verfremdete 303-Elemente sorgen für Räumlichkeit und bauen die charakteristischen Fills am Ende jeder Vier-Takt-Phrase auf, die jeweils in den nächsten Abschnitt überleiten.
Der New-Metal-Part: Die Stems im Überblick
Für den Metal-Part stehen folgende fertige Stems zur Verfügung:
- Ein Drum-Stem
- Ein elektronischer Basslauf, zusammengesetzt aus mehreren gelayerten Bässen (unter anderem ein FM-Synthese-Bass und ein Sägezahnbass)
- Gedoppelte Gitarren, die breit links und rechts im Panorama liegen, kombiniert aus Amp-Spuren und modellierten Spuren
- Vocal mit Dubbings, in der Strophe und im Refrain
- FX und Synths, die für etwas mehr Details und Abwechslung durchgehend leise im Hintergrund spielen
Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Herausforderungen
Bevor es an das eigentliche Zusammenfügen geht, lohnt sich ein Blick darauf, wo sich der Trapbeat und New-Metal-Part ähneln und wo die größten Reibungspunkte liegen – eine Analyse, die du auf jedes ähnlich gelagerte Genre-Crossover-Projekt übertragen kannst.
Gemeinsamkeiten: Vom Groove her ähnelt der New-Metal-Beat dem Trapbeat durchaus, was kein Zufall ist: Sowohl Metalcore als auch New Metal lehnen ihre Beats oft an Hip-Hop-Strukturen an. Auch beim Sounddesign zeigen sich bei beiden Projekten Gemeinsamkeiten beim Einsatz von Distortion.
Unterschiede: Der auffälligste Unterschied liegt bei den Drums. Der Trapbeat hat richtig viel Low-End und viel Subbass, während das bei den Metal-Drums zwar auch vorhanden, aber insgesamt schwächer ausgeprägt ist. Hinzu kommt: Der Trap-Part ist komplett elektronisch gestaltet, während beim Metal-Part die Bandbesetzung – also echte beziehungsweise gemodelte Gitarren und Amps – ins Spiel kommt. Genau dieser Kontrast zwischen elektronischer und „band-basierter“ Klangwelt ist die eigentliche Herausforderung, wenn du beide Stile kombinieren willst.
Die Herausforderung: Daraus ergibt sich die zentrale Überlegung des Tutorials – nämlich, den Druck und Subbass aus dem Trapbeat mit in den Metal-Part zu übernehmen und beide Charakteristiken so zu layern, dass am Ende ein homogenes Ganzes entsteht. Ziel ist ein Übergang von Strophe zu Refrain, bei dem man nicht das Gefühl hat, dass etwas verloren geht oder ein komplett neuer Song beginnt.
Die Herangehensweise: Schritt für Schritt zum gemeinsamen Sound
In der gemeinsamen Cubase-Session sind beide Parts bereits eingepflegt: In Blau sind die Spuren des Trapbeats aus der Strophe zu sehen, in Lila die Elemente, die in beiden Songteilen vorkommen. Die ausschließlich im Metal-Part verwendeten Spuren sind bunt. Von diesem Ausgangspunkt kannst du systematisch Element für Element durchgehen, um die Trap-Charakteristik in den Metal-Refrain zu layern – eine Vorgehensweise, die du gut auf eigene Crossover-Projekte übertragen kannst:
- Kick highpassen und layern: Die Metal-Kick klingt im Vergleich zur Trap-Kick deutlich weniger tiefbassig. Da beide zusammen zu viel Bassenergie erzeugen würden, wird die Metal-Kick per Highpass gefiltert und die trockene Trap-Kick darunter gelegt – die Bassdrum wirkt direkt aufgeräumter und fetter.
- Snare nach ähnlichem Prinzip kombinieren: Von der Trap-Snare werden nur Transient und etwas Reverb übernommen, die tieferen Anteile werden weggefiltert. So passt sie sich klanglich den Metal-Drums an, ohne dass zwei Snares gegeneinander hörbar werden.
- Bass mit Highpass-Filter kombinieren: Beim Trap-Beat kommt ein reiner Sinusbass zum Einsatz, der Metal-Bass wird mit einem Highpass-Filter bearbeitet, sodass beide Bässe – der Sinus unten, der gefilterte Metal-Bass darüber – zusammen spielen können, ohne sich zu überlagern. Am Ende fällt die Wahl aber alleinig auf den druckvolleren Sinusbass vom Trap-Beat.
- Percussion übernehmen und Tonart-Problem lösen: Auch die charakteristische, stereo-breite Percussion aus dem Trapbeat wird mit in den Refrain übernommen, weil sie so präsent ist, dass ihr Fehlen sofort auffallen würde. Dabei entsteht allerdings ein harmonisches Problem: Die Percussion spielt sehr schön gegen ein F mit resonantem Charakter, im Refrain wechselt die Spielweise jedoch auf ein A#, wodurch es an dieser Stelle klanglich nicht harmoniert. Gelöst wird das mit dem HOFA IQ-EQ, mit dem der störende Frequenzbereich gezielt herausautomatisiert wird. Diese Art von Automation ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich harmonische Konflikte beim Zusammenführen zweier Parts gezielt beheben lassen.
- Zusätzliche Lead- und Synth-Elemente einbauen und anpassen: Weitere Elemente aus dem Trap-Part wandern ebenfalls in den Refrain, etwa ein zusätzlicher Verse-Lead, eine ursprünglich für den zweiten Refrain vorgesehene Leadmelodie sowie weitere Synth-Spuren – dreimal Akkorde, dreimal Lead-Melodien – für mehr Stereobreite im Bereich um 1000 bis 1500 Hz, wo die Gitarren zwar in den tieferen Mitten viel Energie liefern, aber nach oben hin Raum lassen. Damit diese Elemente im dichteren Metal-Mix funktionieren, werden sie angepasst: eine Oktave höher transponiert, damit sie sich besser im Mix durchsetzen und Platz für die Gitarren schaffen, außerdem mit weniger Verzerrung versehen. Mit Hall verleihen die Synths dem Refrain zusätzliche Strahlkraft, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Ein wichtiger Hinweis dabei: Zu viel Distortion kann neben dem gewünschten Charakter auch zu Rauschen im oberen Frequenzbereich führen, welches den Synths und dem Gesang die Strahlkraft nimmt. Die Lösung ist in diesem Fall eine gezielte Höhenabsenkung der Gitarren per EQ – dadurch treten Vocals und Synthesizer wieder spürbar nach vorne. Kleine Automationen helfen zusätzlich dabei, dass sich die Sounds durchsetzen.
- Roten Faden bei den Vocals beibehalten: Damit Strophe und Refrain trotz unterschiedlicher Instrumentierung zusammenpassen, solltest du auch beim Vocal-Sound auf Konsistenz achten: Das Main Vocal im Vers nutzt denselben Grundsound wie im Chorus, wo zusätzlich mehrere Stimmen hinzukommen. Auch wenn das Bedürfnis da wäre, die Vocals im Vers stärker zu verzerren und zu filtern, um mehr Energie zu erzeugen, solltest du bewusst darauf verzichten – ein zu starker Klangunterschied zwischen Strophe und Refrain würde dem homogenen Gesamtbild schaden. Dieses Abwägen zwischen Konsistenz und Genre-Charakter kannst du als generelle Faustregel für eigene Songs mit stilistisch unterschiedlichen Abschnitten mitnehmen.
Fazit
Wenn du zwei stilistisch verschiedene Produktionen zusammenführen möchtest, kann dir dieses Beispiel dabei helfen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu identifizieren, die prägenden Frequenzbereiche gezielt zu filtern und zu layern, harmonische Konflikte zu lösen und einen konsistenten roten Faden über den ganzen Song hinweg beizubehalten.
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