Fernschule für Tontechnik & Musikproduktion

Studioszene 2022 – Tontechnik-Trends und Highlights vom Live-Event

Studioszene ist das Community-Event für Audio Engineers, Producer und Home-Recorder und wird von der Fachzeitschrift Sound & Recording veranstaltet.
Dieses Jahr findet das Event von 30. – 31. August im Congress Center Rosengarten in Mannheim statt.
Vor Ort erwarten die Besucherinnen und Besucher spannende Vorträge, Diskussionen und Workshops rund um die Themen Tontechnik & Musikproduktion.
In über 40 Masterclasses geben namhafte Tontechniker und Engineers ihr Wissen in den Bereichen Producing, Recording, Mixing und Mastering weiter.

Samir, Luca und Julian vom HOFA-College besuchen die Studioszene und berichten euch hier tagesaktuell:

Tag 1 (Di, 30.08.)

Los geht es mit der Studioszene 2022!

Zu Beginn besuchten wir die Masterclass „Drum Recording“, welche vom Entwickler der Aufnahmetechnik „Wurst“ Moses Schneider (AnnenMayKantereit, Beatsteaks) gehalten wurde. Wir beschäftigten uns mit der Frage: Warum nimmt man heutzutage überhaupt noch Drums auf, wenn man diese ja mittels moderner Tools „in the box“ selbst programmieren kann? Um einer Produktion einen gewissen Klangcharakter zu verleihen, kann man bei einer Aufnahme eines echten Drum-Sets experimentell und spielerisch interessante Resultate erzeugen. So erklärte Moses uns die von ihm entwickelten Stereoaufnahmetechniken „SnareO“ (zwei Kugelmikrofone, welche die Snare von unten abnehmen, um den Drum-Sound in Summe „anzudicken“ und die Dreidimensionalität der Snare zu vergrößern) und „Droom“ (Raummikrofone, welche auf Beckenhöhe vom Schlagzeug weggerichtet den Raum abnehmen). Bei der letzteren Technik ist es wichtig, für die Mikrofone jeweils eine gerichtete Niere auszuwählen. Insgesamt wirkt der Raum dadurch nämlich fast doppelt so groß im Vergleich zu einer „klassischen“ Raummikrofonierung aus der gegenüberliegenden Ecke. Mit diesen Techniken kann man neben der Standardmikrofonierung eines Drum-Sets für das gewisse Etwas sorgen. Zum Abschluss rief er dazu auf, unkonventionelle Wege der Mikrofonierung zu wählen, um den Sound auf eine neue Ebene zu bringen.

Neben den großen Masterclasses gab es in der Studioszene auch kleinere Gesprächsrunden über die verschiedensten Themen in der Musikproduktion. So sprachen z. B. Wolfgang Stach (Bap, Jupiter Jones), Moses Schneider und Jonas vom Recording-Blog über die Zusammenarbeit als Produzent:in mit den Künstler:innen.

Auf in die nächste Masterclass! Dort erwartete uns ein Beitrag von Wolfgang Stach über die Klangfarben, die man innerhalb einer Produktion erzielen kann. Er gab uns einen tiefen Einblick in eines seiner Projekte, wo er bewusst organische Instrumente zusammen mit elektronischen Elementen kombiniert. So hat er z. B. neben programmierten Drums, welche er aus einer Sample-Library entnahm, zusätzlich ein Drum-Set aufgenommen. Zusätzlich gab er auch seine persönlichen Lieblingsmikrofone preis: Das Shure SM7, welches sich als erschwinglicher Allrounder etabliert hat, sowie das Neumann U87 oder speziell für Gitarren, Bändchenmikrofone.

Besonders spannend wurde es bei der Masterclass „Musikproduktion für Game Trailer“, die von dem Producerteam 2WEI gehalten wurde. Sie führten uns durch das Produktionsprojekt für einen Trailer des Spiels „League of Legends“ und beantworteten die Fragen der Zuschauer. Wie viel Zeit wird für ein solches Projekt eingeplant oder welche Produktionstechniken werden eingesetzt? Die Produzenten zeigten uns den kompletten Arbeitsablauf von der Entstehung der ersten Skizze, die aus einem ausführlichen Briefing entstanden ist, bis hin zur fertigen Version.

Tag 2 (Mi, 31.08.2022)

Weiter geht es am nächsten Tag auf der Studioszene in Mannheim. Wir besuchten die erste Masterclass „Mixing Philosophie“, welche von Ralf Christian Mayer (Clueso, Mark Forster) gehalten wurde. Ralf ging hierbei verstärkt auf Studiomonitore und ihre Notwendigkeit für gute
Mischungen ein. Im Großen und Ganzen komme es hier nicht auf den „perfekten“ Lautsprecher an. Das allerwichtigste sei es nämlich, sich an seine Lautsprecher zu gewöhnen. Äußerst interessant fanden wir, dass Ralf auch in Räumen abgemischt hat, obwohl diese alles andere als akustisch optimiert waren. Umso wichtiger ist es hier, seine Lautsprecher gut zu kennen und ggf.
Metering oder Analyser als Hilfsmittel zu nutzen. Des Weiteren zeigte Ralf uns anhand von Fotos sein Outboard-Equipment.

Nun möchten wir uns mal ein paar der Aussteller etwas genauer anschauen. Auf der Studioszene in Mannheim waren bekannte Firmen vertreten, die viele ihrer Produkte vorgestellt haben. Dort trafen wir z.B. auf TELEFUNKEN, MOTU, Arturia aber auch bekannte Pluginhersteller, wie z.B. Sonible oder Waves. Die Produkte durften wir neben einer netten Beratung der Mitarbeiter ausgiebig austesten.

Mit der Masterclass „Immersive Audio“ bekamen wir grundlegende Einblicke in die immer bedeutendere Welt des 3D-Audio. Hier zeigte uns Tom Ammermann, Gründer der Marke „New Audio Technology“, verschiedene Mischungsumgebungen, in denen man Produktionen für immersives Audio erzeugen kann. Dabei ging er auch auf die wichtigsten Formate ein und erklärte uns anhand eines mächtigen Audio-Plugins die Vorgehensweise in der Produktion. Wir durften mittels bereitgestellter Kopfhörern dabei mithören. In der folgenden Diskussionsrunde wurden dann die kommerziellen Anwendungsbereiche der immersiven Musik und das Potenzial von 3D-Audio besprochen.

Ebenfalls spannend war der Vortrag vom Produzenten Jens Schneider (Max Giesinger, Joris, Wincent Weiss) in der Masterclass „Heute als Produzent erfolgreich sein“. Dieser Workshop war eine spannende Inspiration, die hauptsächlich als Dialog zwischen Jens und den Zuschauern stattfand. Wichtige und interessante Anregungen seitens Jens waren u.a., dass es wichtig sei, seine Skills sowohl technisch als auch musikalisch zu schärfen und auf viele Artists zuzugehen und mit ihnen direkt in Kontakt zu treten. Hier bieten sich Orte an, an denen viele Musiker:innen zusammentreffen: Eine Uni, Jugendzentren oder Social Media sind hierfür gut geeignet. Besonders betonte Jens, dass es wichtig sei, seine eigenen Routinen zu brechen, um Neues und Kreatives erschaffen zu können und erfolgreich zu sein.

Das war unser Live-Bericht von der Studioszene 2022. Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung mit vielen spannenden Gästen und Talks. Wir freuen uns schon auf die nächste Studioszene und darauf, den ein oder anderen Menschen wieder zu treffen.

Autor

Philipp Siebler
Philipp Siebler

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